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Klettern in Kreta ohne Spuren zu hinterlassen

„Bergsteigen kann zu greifbaren künstlerischen Ergebnissen führen(...)
Eine Route ist ein künstlerisches Statement am Berg“.(*)



Krista und ich stammen noch aus der Zeit, in der es cool war sich beim Klettern nur mit Klemmkeilen zu sichern. Diese Idee hatte ich 1970 von England nach Wien mitgenommen. Damals gab es noch nicht einmal die ausgeklügelten Spreizanker „Friends“ oder „Camelots.“ John Muir, der Anfang des 20. Jahrhunderts die Gründung der amerikanischen Nationalparks anregte und den Sierra Club gründete, hatte die romantische Vorstellung, in der Natur keine Spuren zu hinterlassen. In den 1960er Jahren wurde von einer Gruppe  Kletterern im Yosemite diese Idee ins Klettern übertragen. Durch den Einsatz von Klemmkeilen konnte der Seilzweite die Sicherungen wieder aus den Rissen entfernen und so gab es danach kaum Spuren einer Routenbegehung. Das war der Beginn der „Clean Climbing“ Bewegung. (Die aber letzendlich vom Sicherungsstil der Briten und Sachsen beeinflusst war, die seit jeher das Sichern mit Schlaghaken ablehnten). Dieses Konzept wurde aber im Laufe der Jahre, vor allem in den Alpen,  durch das Anbringen fixer Bohhaken abgelöst.

Mir machte es vor allem Spaß mit den Klemmkeilen, diesen kleinen Aludingern zu spielen, sie mehr oder weniger verlässlich in Risse hineinzuzwängen, manchmal zwei Teile miteinander zu verkeilen und mich zu freuen, wenn im Falle eines Sturzes das Ganze hielt. Aber gestürzt werden sollte ja damals eh nicht.

Szenenwechsel:

Jetzt sind wir in einem Alter, wo laut (dem leider kürzlich verstorbenen) Karl Lukan die Berge höher und die Wände steiler werden. Nach langer Kletterabstinenz  haben wir zu den Felsen zurückgefunden, waren aber, abgesehen von familiären und beruflichen Verpflichtungen, im Ausdauersport tätig gewesen. Das war auch ganz schön fordernd. Was uns das Klettervergnügen jetzt ermöglicht, sind gut mit Bohrhaken ausgestattete Plaisierrouten. Wir sind dankbar für diesen Trend.

Irgendwie jedoch, reizt es mich jetzt noch immer, wie damals neue Herausforderungen zu suchen - aber nun altersgemäß. Neue Routen klettern bedeutet ja nicht nur Leistung. Sie dürfen auch durchaus nur vergnüglich und alpinistisch unbedeutend sein. Erstbegeher beschreiben ihre Routen üblicherweise exakt durch grafische Darstellungen, das sogenannte „Topo“. Sie geben neuen Anstiegen mehr oder weniger sinnvolle oder witzige Namen und veröffentlichen ihre Beschreibungen in alpinsportlichen Medien. Damit könnten sie den Anschein erwecken, dass sie die Natur, wenn auch nur symbolisch, in Besitz genommen haben. Das ist nicht unser Vorhaben. Wir verstehen uns als Gäste einer wilden Felslandschaft und wollen sie daher möglichst so unberührt lassen, wie wir sie vorgefunden haben. Wir wollen zwar darüber erzählen, aber ohne zuviel Details preis zu geben.  Zukünftige Kletterer sollen sich ja, genau wie wir, als Entdecker fühlen können.

Dazu eignet sich ein Gebiet, wo noch nie geklettert wurde. In unserem Fall ist das Südwestkreta. Hier gibt es unendlich viele Felsen. Alle sind namenlos, viele der Berge und Hügel auch. Vor allem im leichten Bereich (meist 2-3, maximal 4 oder 5) ist gut zu kraxeln und zu klettern, da die Risse oft nicht mit Vegetation verwachsen sind, wie sonst in den Alpen oder in Gegenden mit viel Niederschlag. Damit kann man gut mit mobilen Geräten sichern und hinterlässt am Fels keine Spuren. Krista und ich klettern hier seit 2014. Bis jetzt haben wir  ca. 3000m Felsneuland begangen. Leichte Routen, kaum von Bedeutung für einen „Hard Mover“, aber Ideal für „Aufhörer“ (Zitat. Leo Graf), also Kletterer, die bereits eine altersmilde Einstellung zu ihrer Leidenschaft haben. Wie wir die vertikale Terra incognita erschlossen haben, möchte ich sehr persönlich gestalten und durch verschiedene Medien darstellen. Dazu hat mich vor allem die Arbeit des Land Art Künstlers Richard Long inspiriert. In seinem „Walking the Line“ Projekt durchquert er Gegenden oft tagelang zu Fuß auf bisher noch nie begangenen Routen. Dabei setzt er Zeichen seiner Anwesenheit durch Linien oder Kreise aus Steinen.  Das Resultat dieser Arbeit erschließt sich der Öffentlichkeit erst durch dokumentarische Fotos seiner Interventionen in der Landschaft. Ein wenig ähnelt dies auch unserem Tun. Auch wir durchqueren noch nicht erschlossene (Fels)Landschaft. Auch wir wollen darüber berichten, diesmal aber ohne künstlerischer Interventionen in der Landschaft.

Es gibt daher keine Routenbeschreibung oder Topo. Wir stellen nur die Landschaft dar, wie wir sie wahrgenommen haben und beschreiben das Klettern im noch Unerschlossenen durch Text und Bilder - als eine Hommage an Kretas rauhe Landschaft.  Die Klettereien sind unseren persönlichen Fähigkeiten entsprechend nicht mehr die Bewältigung extremer Herausforderungen. Wir nutzen vielmehr unsere Jahrzehnte lange Erfahrung im Klettern beim Erkennen von potenziellen Wegen des geringsten Widerstandes, in für den Laien meist abschreckend erscheinenden, schroffen Wänden. Hier suchen wir nach einem leichten, in seiner Linienführung logischen und daher meist ästhetisch ansprechenden Weg. Sonst sind es Grate, die wir begehen oder wir nutzen eine Reihe von zusammenhängenden Felsbildungen, um eine Canyonwand oder einen langen felsigen Bergrücken zu erschließen. Dazwischen gibt es dann immer wieder kurze Gehpassagen, ähnlich im Charakter, wie auf der Hohen Wand, auf der Rax oder in Dürnstein. Schon die Wegsuche mit diesem Anspruch ist die erste kreative Herausforderung. Irgendwie erinnert mich unser Tun auch an eine Wiederbelebung der frühen Tage des Bergsteigens am Anfang des 20 Jahrhunderts, jedoch mit der entsprechenden zeitgemäßen Sicherungstechnologie. Eine Art „Vintage Climbing“ ohne heroischem Anspruch.

Im Minoischen Labyrinth aus zupfenden, stechenden Sträuchern und Büschen und messerscharfen Kalkformen, in dem wir uns dabei bewegen, huschen Phantome an uns vorbei. Fetzige, abgerissene Gestalten. Halbwilde Ziegen. Oft kreist der Bartgeier. An manchen Tagen müssen wir – wie Betrunkene – patagonischen Winden trotzen.  Festklammern am Fels dient dann mehr zur Erhaltung des Gleichgewichts, als zum Höhersteigen. Bei Gratüberschreitungen sehen unsere ruckartigen Bewegungen mehr nach Breakdance aus, als nach Klettern. Eine archaische Landschaft. Ein herbspröder Garten Eden, Schönheit mit Kante, der alle Sinne zum Leben erweckt. 

 (*) Originaltext: „Mountaineering can produce tangible artistic results (…) A route is an artistic statement on the side of a mountain.“ (Zitat vom Kletterdenker Doug Robinson aus der goldenen Yosemite Zeit der 60er und 70er Jahre).

Text: James Skone, Fotos: Krista und James Skone, Kollagen und Skizzen: James Skone




James Skone
No Topo – Eigene Wege gehen.

James G. Skone setzt sich mit der Welt des Kletterns und Bergsteigens aus einer persönlichen kreativen und gestalterischen Perspektive auseinander. Im Blog reflektiert er in unkonventioneller Form über wie es einmal war und was ihn heute am Klettern interessiert. Einblicke in sein Skizzenbuch und Bildkollagen ergänzen die Ausführungen. 

James G. Skone war in den frühen 1970er Jahren Impulsgeber beim Freiklettern und erschloss die ersten Eiskletterrouten in Österreich. Auch bei der Entwicklung neuer Geräte für das Klettern war er Pionier. Er erfand die Vorläufer heutiger Hallenkletterwände, die so genannten „Skone Stones“, Der von ihm entworfene Kletterschuhe „Super Magic“ erhielt 1984 den Österreichischen Designstaatspreis. Vor kurzem wurde dieser in die Sammlung des Museums für angewandte Kunst, Wien aufgenommen. James war zuletzt Univ. Prof. für Designpädagogik an der Universität für angewandte Kunst Wien.

Er begann 1958 mit neun Jahren mit dem Bergsteigen bei der Gruppe „Unsere Jüngsten“ bei der Edelweiß. In späteren Jahren kehrte er mit dem Beitritt der „Wiener Lehrer“ - deren Mitglied er später war - zur Edelweiß wieder zu seinen alpinen Wurzeln zurück. 

www.no-to-po.com

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